Der Traum – Die Insel

Der Traum – Die Insel

Mach die Augen zu und wünsch dir was. Ganz fest. Nur für Dich allein, etwas, das du gern hättest oder für dein Leben gerne tun möchtest. Wovon du schon immer geträumt hast – oder gerade erst jetzt anfängst, es zu tun.

Angefangen hat es bei mir an einem kalten Tag im Februar. Eigentlich am Abend, oder, wenn man es genau nimmt, in der darauf folgenden Nacht. Ich glaube sogar, es war Vollmond und ich konnte deshalb nicht schlafen. Vielleicht lag es auch an dem etwas seltsam schmeckenden tschechischen Sekt, den ich zuvor getrunken hatte.

Ich machte mit meinem Mann ein paar Tage Urlaub in einer netten, alten Mühle in Krumau, einem bildhübschen Städtchen nahe der tschechisch-österreichischen Grenze. Wir waren durch die malerische Altstadt spaziert, hatten in einer mittelalterlichen Schenke bei offenem Feuer warmen Met Wein und Spanferkel genossen und bei einer Altwarenhändlerin eingekauft, deren wohl wertvollste Antiquität ihr eigenes, von tausenden Linien unterschiedlicher Stärke zertteiltes Gesicht war. „Alles gelbe Leute hier“, sagte sie mit einem hinreißenden tschechischen Akzent und wir mußten ihr recht geben, Die Stadt war voll von Besuchern aus Asien, ungewöhnlich eigentlich, zumindest für uns etwas Anderes, Neues.

An diesem besonderen Tag im Februar war eine der größten, ja großartigsten Musiklegenden von uns gegangen: Al Jarreau. Nach unserem Spaziergang heizten wir das gußeiserne Öfchen in unserem Appartement ein und erfreuten uns auf youtube an einem fulminanten Konzert aus den 80igern, nicht ohne Wehmut, vor allem darüber dass wir seinen letzten Auftritt in Wien nicht mehr gesehen hatten.

In der Nacht fand ich keinen Schlaf. Mein Kopf war angefüllt mit Eindrücken der letzten Tage, von Al Jarreau, seiner großartigen Musik und vielem mehr. Das Gedankenkarussel drehte sich und ich wälzte mich von einer schlaflosen Seite auf die andere.

Da hatte ich eine Vision: auf eine Insel fahren, wo das Wetter und die Natur schön sind, wo die Zeit keine Rolle spielt und ich das tun kann, was mir zur Zeit am Meisten Spaß macht: Schreiben. Meine zahlreichen Abenteuerchen und Eindrücke, Erlebnisse, Anekdoten, Erfahrungen und Mißgeschicke festhalten und zu Papier bringen. Ohne Ablenkung und Termindruck, ohne auf irgendetwas oder jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Mit dem Hund gehen, die Wohnung putzen, einkaufen, Essen kochen, etwas für den Chor arrangieren, Termine planen, Gesangsschüler unterrichten für meine Mutter etwas tun, Rechnungen und Papierkram erledigen,… all die Dinge die den kreativen Tag so unglaublich verkürzen oder gar auslöschen zu vermögen.

Seit meiner Kindheit schon war ich viel auf Reisen – geboren in Kabul, Afghanistan, reiste ich schon im zarten Alter von vier Monaten erstmals nach Wien, um mich von meinen Verwandten begutachten und im Leben begrüßen zu lassen. Es folgten viele weitere Reisen, deren Zweck nicht immer so eindeutig war, aber meine Sehnsucht nach für mich neuen Eindrücken und Lebenssituationen zu stillen vermochte.

Nun bin ich hier. Auf meiner Insel. La Reunion im indischen Ozean habe ich mir ausgesucht. Vier Wochen habe ich mir Zeit genommen, um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Meine Februar-Vision in die Tat umzusetzen. Um das zu tun, was mir derzeit am Meisten am Herzen liegt. Schreiben. Singen. In der Natur sein. Malen. Etwas Neues entdecken und – vielleicht auch mehr bei mir ankommen. Ich freu mich drauf. Und ich möchte mir und Euch allen Mut machen und zeigen, dass Wunschträume realisiert werden können, wenn man es wirklich und ganz, ganz fest will – Hier und jetzt.