Dänisch Reisen 2

Dänisch Reisen 2

August 2016

Eine Fahrt mit dem Zug quer durch das Land bietet wenig Spektakuläres. Die Anwesenheit eines Lokführers beruhigt mich jedenfalls. Einigermaßen ungewöhnlich für mich ist die unmittelbare Nähe landwirtschaftlich genutzer Flächen, so wie wir sie auch bei uns kennen, mit dem Meer. Ganz plötzlich fährt der Zug über eine kilometerlange, sehr schmale Landbrücke und man glaubt, auf einem Schiff zu sein. An manchen Stellen ragen weiße Windräder wie abgenagte Knochen aus dem Wasser.
Meistens fährt man durch weitgehend flaches Land mit riesigen braunen Feldern, die gerade frisch abgeerntet und mit würfelförmigen Strohballen belegt sind. Durchzogen von grünen Heckenreihen und einigen hübschen Solitärbäumen, ducken sie sich unter einem oftmals sehr spektakulären Wolkenhimmel.

 

Die Durchsagen im Zug erfolgen ausschließlich auf Dänisch. Kein eigenartiges Chris Lohner Englisch. Schade. Die Dänische Variante hätte mich interessiert. Ich bin enttäuscht und verstehe kein Wort (bzw. nur Bahnhof )
Dänisch klingt zunächst nach Englisch rückwärts, wenn man es öfter hört, so ähnlich wie wie Schwitzer Dütsch. Wenn man es noch öfter hört, dann klingt es wie eine Mischung aus Englisch und mittelalterlichem Alt-hochdeutsch (ohne die zweite Lautverschiebung), in leicht angetrunkenem, etwas biervernebeltem Zustand – ein wenig gelallt, und mit einer kleinen Prise elegantem, französischem Flair durchsetzt.

 

Angeblich passierten die massiven territorialen Verluste der Dänen in vergangeben Zeiten aufgrund wiederholten, übermäßigen Bierkonsums der Soldaten und leider (schon sehr blöd) – auch dem des Heerführers, des Königs deroselbstens. Wie kann man da auch abstinent bleiben, bei 200 Brauereien in einem verhältnismäßig kleinen Land, dessen Einwohnerzahl (heute) nicht einmal an die einer mittelgroßen mitteleuropäischen Metropole wie z.B. Madrid heranreicht.
Als eine der ersten Kolonialmächte Europas konnten die Dänen großflächige Territorien an ihr Land binden; Grönland beispielsweise, die größte Insel der Erde, umfasst eine Fläche von 2 Millionen Quadratkilomtern! Leider wohnen auf dieser rieigen Insel nur sehr wenige Menschen (und die sprechen mehrheitlich Inuit Dialekte). Und viele Polartiere (und die sprechen gar nicht).

 

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Tja, irgendwie konnte sich das Dänische einfach nicht als Weltsprache durchsetzen… (auch der Besitz der berühmt berüchtigten Färöer Inseln konnte dieses Manko scheinbar nicht ausgleichen). Wenn man sie liest, die Dänische Sprache, kann man sich als Deutschsprechende schon so Einiges zusammenreimen, aber beim Zuhören hat man eher keine Chance, etwas halbwegs Sinnvolles mitzukriegen. Ich erfreue mich während meines Kurzbesuchs ohnehin mehr am Schriftbild, an den durchgestrichenen o’s und den zusammengeklebten ae’s (was mich ein wenig an die Lektüre von Asterix bei den Wikingern erinnert). Und an den wunderbaren 1,2 und 5 Kronen Münzen mit dem schönen Muster und dem Loch in der Mitte, die ich horte und zwecks künftiger Verarbeitung zu einem Schmuckstück sicher nicht mehr ausgebe! Bezahlt wird hier ohnehin meist mit der Karte – wenn man Bargeld anbietet, kann es schon vorkommen, dass kein Wechselgeld vorhanden ist. Fortan halten wir es so, dass meine Freundin all unsere gemeinsamen Unternehmungen mit ihrer Kreditkarte bezahlt und ich überweise ihr dann zu Hause den umgerechneten Betrag auf ihr Konto in Österreich. So erspare ich mir eine Menge Spesen meint sie.

 

Von ihrem Haus am Land, das man in nur wenigen Stunden Fahrzeit mit dem Zug und mit dem Auto erreicht (!) kann man durch das Küchenfenster das Meer sehen. Schön. Ein Spaziergang zum Hafen, die Boote, der Leuchtturm, der Strand, sehr schön. Das prunkvolle alte Badehotel mit seinen Türmchen und Erkern, wunderschön. Ich überlege, ob ich hier wohnen möchte und ziehe meine Kapuze fester über meinen Kopf. Die Antwort fällt nicht schwer. Es ist Mitte August und entspricht meiner Vorstellung von Sommer nicht im Geringsten. Mal regnet es, mal scheint die Sonne, das Wetter ist launisch und wechselt schnell.
Einen Pool hat hier niemand. Es gibt ja das Meer. Zum Anschauen (und zum Segeln) Wenige Tapfere wagen sich angeblich zeitweise hinein. Ich gehöre nicht dazu.

 

Und so kann ich mich bei meiner Abreise auch ein wenig freuen. Ein klein wenig, auf ein paar Dinge, die mir wichtig sind im Sommer: das Grillenzirpen am Abend, wenn man bis spät in die Nacht draußen auf der Terrasse sitzt. Auf ein Glas Wein in einem Lokal, das nicht nur gut schmeckt, sondern das ich mir auch leisten kann. Und auf ein paar spätsommerliche Badetage in meinem Swimming-Pool. Hej, Hej!