Dänisch Reisen 1

Dänisch Reisen 1

Das erste, das einem auffällt, wenn man bei der Ankunft das Flughafengebäude in Kopenhagen betritt, sind die Olivenbäume. Im Topf zwar, aber dennoch von beachtlicher Größe – in jedem Fall unerwartet, aber geschmackvoll und sehr dekorativ, wie so vieles hier. So weit im Norden war ich noch nie, wenn man von St. Petersburg absieht, aber das ist ja eine ganz eigene Welt und gar nicht so sehr europäisch.

 

Die Fahrt mit der Metro erscheint zunächst wenig spektakulär, es fällt mir nur auf, dass viel Englisch gesprochen wird, dass die Geleise mit zusätzlichen Glastüren abgesichert sind, (sorry, hier keine U-Bahn Selbstmorde!) und dass im Vergleich zu Wien vermehrt grossgewachsene, eher gut aussehende Männer die U-Bahn besteigen oder verlassen. Nicht schlecht. Als ich das nächste Mal zufällig einen Platz ganz vorne ersitze, bemerke ich erst die große Glasscheibe und das Fehlen eines Fahrers. Erste Reihe in einer U-Bahn, die sich vollkommen automatisch, ferngesteuert fortbewegt – ein Erlebnis der besonderen Art. Hier findet Zukunft schon statt, während bei uns zu Hause über so etwas erst mal diskutiert wird. Die Stationen sind auch eher futuristisch gestaltet – Stahl, Beton und Glas – ausschließlich silber und grau, keine Graffitis, keine bunten Werbeplakate, nur vereinzelt Bildschirme und diverse Automaten.

 

Unendlich lange Rolltreppen führen in große Tiefen, alles ist in helles Neonlicht getaucht. Fürchten braucht man sich aber hier unten nicht, die eigentliche Gefahr kommt erst dann, wenn man an die Oberfläche gelangt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt ist zwar sehr gering, obwohl man diesem hier „oben“ schon sehr nah zu sein scheint, aber die, dass man von einem oder auch mehreren Radfahrern überfahren wird, dafür umso größer! Unmengen von Drahteseln bewegen sich ständig durch diese verhältnismäßig kleine Stadt, auf breiten, asphaltierten Radweg-Autobahnen, für die man die Grünen in Wien nicht nur aus der Regierung geworfen, sondern allein für eine derartige Idee auch mindestens nach Sibirien verbannt hätte…! Undenkbar bei uns, diese Dimensionen.
Wenn man ein bisschen recherchiert und die Gründe dafür erfährt, ist es allerdings einleuchtend: die Steuer auf Autos ist utopisch hoch, die Entfernungen und Steigungen sind gering und die Stadt hat sich vorgenommen, bis 2025 CO2 neutral zu sein. Nachhaltig, weitblickend, intelligent. Gesund soll es ja auch sein, das Treten – es als zielgerichtete Fortbewegung von A nach B zu nutzen, anstatt in der Freizeit mit sündteurer Kleidung und Helm im Wald die Fussgänger und allenfalls vorhandene Waldtiere zu verscheuchen, erscheint mir auch eine eher sinnvolle Variante dieses Sports.

 

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Das Wetter ist dann doch nicht so schlecht und so kalt wie erwartet (angekündigt) ich bin vollkommen over-equiped – mein Koffer ist daher wieder einmal viel zu schwer. Dass ich ihn in den 4. Stock über eine enge Holztreppe in mein Airbnb Quartier schleppen muss, hab ich leider auch nicht bedacht. Zum Glück ist die Gastgeberin zu Hause und hilft mir. Ein riesiger, schneeballartiger Fellbausch begrüßt, umschnurrt, und schmeichelt mich, hier scheint ein wohliger Platz zum Bleiben zu sein.
Um mir einen Überblick zu verschaffen, mache ich am ersten Abend, nachdem ich schon mal endlos weit durch die Stadt gelaufen bin, eine Bootsfahrt, bei Sonnenuntergang; das war die beste Idee, die Fahrt auf den Kanälen bietet alle Sehenswürdigkeiten innerhalb einer Stunde, noch dazu in ein zauberhaftes Licht getaucht. Einfach schön – diese Stadt hat viel zu bieten. Ich freue mich auf den nächsten Tag.