Paris – Reunion: Die Anreise Teil 2

Paris – Reunion: Die Anreise Teil 2

Was macht eine Taxifahrt gemütlich? Ein gutes, bequemes Auto und ein netter Fahrer. Was macht eine Taxifahrt unvergesslich? Dieser Fahrer. Ein besonders netter. Gemütlich war’s allerdings nur eingeschränkt.

Ich erzähle ihm von dem Herrn, der sich als Taxifahrer angeboten hat, „Mr. Pseudo UBER“ und er meint, ich hätte einen guten Instinkt gehabt. Es gibt in Paris falsche Taxis, die zocken einen total ab. Wer meine Reisegeschichte aus Russland kennt, weiß, das abgezockt werden eher meine geringere Sorge ist. Taxifahren in St. Petersburg mit Unbekannten ist nämlich lebensgefährlich. Zum Glück sind wir aber in Paris und zum Glück hab ich diesen netten Fahrer erwischt. Ob ich internet will, er kann das für mich einschalten, gratis – wenn ich möchte. Ja, klar, gerne. Ich krame all mein eingerostetes Französisch hervor und sage mindestens 10x „si“ statt „oui“, aber immerhin verbessere ich mich gleich, nach dem es rausgerutscht ist. Zu viel in Italien gewesen und in spanischen Gefielden in den letzten Jahren. Naja, zumindest wenig in französischen. Immerhin habe ich einst in Französisch maturiert, Camus und Sartre gelesen. Schwarze Rollis fand ich auch immer tres chic.

Es hätte ein entspanntes, lockeres Gespräch sein können, wenn nicht dieser blöde Stau gewesen, und ich auf Nadeln gessesen wäre. An diesem Abend wollte ich nämlich wirklich nicht in Paris übernachten. Ich verfluchte mich noch mal innerlich ob meiner Naivität bzw. Unachtsamkeit bei meiner Flugbuchung und ergab mich meinem Schicksal. Entweder es geht sich aus oder nicht. Basta.

Irgendwie kam unser Gespräch dann auf die Musik – mir war aufgefallen, dass er einen Sender laufen hatte, der Jazz spielt – Freude. Ich erzählte ihm von meinen Gesangskursen im sommerlichen Italien und davon, dass ich Jazz Sängerin bin und in La Reunion ein Konzert singen werde. Er fragte mich nach meinem Namen und googelte. Das geht im Stau recht gut, so ganz nebenbei.

Als er mich und meine Musik auf youtube fand und sie im Fahrzeug laut laufen ließ, drehte er das Licht auf, kramte ein Büchlein hervor und sagte feierlich: „Ich bin ganz aufgeregt, Sie hier bei mir zu haben, Madame, darf ich Sie um ein Autogramm bitten?“ Ich hab geglaubt, ich werd‘ nicht mehr!

Ich kritzelte eine Widmung in das Buch und ich scherzte, „…wenn Sie mir einen guten Preis machen, schicke ich Ihnen eine CD von mir“. Von CDG nach Orly ist es nämlich nicht nur eine weite Strecke, sondern (im Taxi) auch sauteuer. Etwa eine Stunde vor der geplanten Abflugzeit erreichten wir dann schließlich unser Ziel. Er machte mir wirklich einen guten Preis und schrieb mir noch seine Kontaktadresse auf: „…wenn Sie einmal ein Konzert in Paris singen, rufen Sie mich an, ich chauffiere Sie gratis!“ Ich fand das voll süß!

Ich hüpfte aus dem Wagen und suchte mein Abfluggate bzw. die Gepäcksaufgabe für meinen Flug. Am Schalter herrschte gähnende Leere, ein Security Mann sagte mir zwei Mal, „Sorry Lady, die Gepäcksaufgabe ist schon abgeschlossen, da geht jetzt nichts mehr.“

Das darf es jetzt aber echt nicht wahr sein!! Ich ignoriere ihn geflissentlich, galoppiere an ihm vorbei und habe Glück, denn am Schalter sitzen freundliche Menschen. Ein Telefonat, dass da noch eine Lady mit Gepäck sei und ein anschließendes Kopfnicken befreit mich von meinen schlimmsten Befürchtungen. Na also geht doch! Geschafft.

Es ist fast noch eine Stunde bis zum Abflug, aber das Boarding ist schon munter im Gange. Etwas verwundert reihe ich mich in die Schlange der Wartenden ein. Ja klar, bis so ein Riesenvogel anständig und ordentlich mit Menschen und Gepäck befüllt ist, dauert das schon eine Weile.

Pünktlich hebt der Flieger ab, die ersten zwei Stunden sind eher ungemütlich und rumpelig – wie schon auf dem Flug aus Wien nach Paris, denn es gibt ziemliche Turbulenzen. Serviert wird daher auch nichts. Leider. Ich schaue mir einen lustigen Film an, um mich abzulenken. Als ich es beim Blick aus dem Fenster in unmittelbarer Nähe einige Male imposant blitzen sehe, ziehe ich die Blende herunter. Ein bißchen mulmig ist das schon, aber die Stewardessen, haben begonnen, zu sevieren. Immerhin. Wird schon passen.

Nachtrag zum Taxifahrer in Paris: ich hatte mangels besseren Erinnerungsvermögens an meinen französischen Wortschatz in sein Büchlein reingeschrieben „Danke, dass Sie mich in Orly genommen haben“ statt „Danke, dass Sie mich nach Orly mitgenommen haben“ Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, als die den facebook post sah. Haha, der wird sich das wohl einrahmen… oder auch nicht ?! Vielleicht verbietet ihm dann ja seine Frau, mich bei meinem nächsten Konzert in Paris zu chauffieren…